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Unsere Projekte

Tanzania - Wir helfen

1994 wurde der Verein auf Initiative von Ursula und Peter Hoffmann gegründet. Sie wollten Hunger und Leid von Waisen- und Findelkindern lindern und ihre medizinische Versorgung verbessern.

Mittlerweile hat der Verein verschiedene Projekte in Tanzania:

  • Waisenhausprojekte in Nkoaranga und Irente
  • ein Kinderdorf, in dem größere Waisenkinder in einer Art Familie betreut werden
  • ein Krankenhausprojekt in Tukuju
  • sowie Solar- und Wasseraufbereitungsprojekte.


Der Verein finanziert sich durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und Patenschaften.


Brief von Ursula und Peter Hoffmann, November 2020

Die Corona Pandemie hat Deutschland erfasst und breitet sich in der ganzen Welt aus. Auch in Tansania waren die Folgen des Coronavirus dramatisch zu spüren. Durch das plötzliche Fehlen der Touristen verloren viele Menschen ihren Job und damit ihr Einkommen.
Vermutete Horrorszenarien wegen des Coronavirus bleiben in Tansania jedoch aus. Die Sterberate ist in Afrika sogar 40 mal geringer als in Europa. Genetik und eine junge Bevölkerung spielen dabei eine Rolle. Ungefähr 2/3 der tansanischen Bevölkerung ist unter 25. Die Lebensbedingungen haben offenbar auch einen großen Einfluss. Ein großer Teil der Menschen verbringt ihre Zeit im Freien und das Virus wird draußen nicht so leicht übertragen. Außerdem ist Afrika viel weniger vernetzt und die Menschen sind nicht so mobil wie z.B. in Europa.

Sehr schnell hat die Regierung alle Schulen geschlossen und unsere Kinder mussten dreieinhalb Monate daheim bleiben.
Seit Mitte Juli sind die Kinder wieder in der Schule und bleiben dort ohne Ferien bis Weihnachten, um den versäumten Lernstoff aufzuholen. Sie sind alle sehr glücklich, dass sie wieder zur Schule gehen dürfen.

Unsere Kinder im Nkoaranga Kinderheim und im Irente Children’s Home haben diese Zeit sehr gut überstanden. Niemand durfte sie besuchen und die Mamas haben die notwendigen Hygienemaßnahmen sehr strikt befolgt.
Fünf Kinder, die bisher in unserem Familienhaus in Kyela gelebt haben, sind nun erwachsen und in ihre Großfamilie zurückgekehrt. Dadurch können wir nun zu Latifa und Albert weitere 6 Waisenkinder aufnehmen. Für diese Kinder ist es ein großes Glück, nun gut betreut und liebevoll umsorgt zu werden.

„Es ist besser, ein kleines Licht anzuzünden, als die Dunkelheit zu beklagen.“
Mit diesem Motto begannen wir vor mehr als 25 Jahren unsere Hilfe für Kinder in Tansania.
Vieles wurde schon erreicht, vieles muss noch getan werden. Nach wie vor sind wir auf Hilfe und Unterstützung angewiesen.
Dafür bitten wir Sie von ganzem Herzen!

Herzliche Grüße, alles Gute und bleiben Sie gesund.
Ihre Ursula und Peter Hoffmann


Straßenkinderhilfe e.V.

Frank Weber kaufte 1985 ein verfallenes Haus mit Grundstück in Cochabamba, Bolivien. Diesen Kauf konnte er mit Spenden von Verwandten, Freunden und Bekannten finanzieren. Er zog dort mit Straßenkindern ein, deren Vertrauen er gewinnen konnte, nachdem er 4 Monate mit ihnen Tag und Nacht auf der Straße verbracht hatte.

Das Haus wurde in Eigenarbeit wieder bewohnbar gemacht und heißt Casa Nuevo Amanecer, was "Haus neue Zeit" bedeutet.

Frank Weber gründete den Verein "Straßenkinderhilfe e.V.", um mit Spenden ein Bildungszentrum zu bauen. Er wollte den sozial schwächsten Kindern und Jugendlichen eine Schulbildung ermöglichen.

Das "Centro Educativo" ist die erste staatlich anerkannte Privatschule, die kein Schulgeld verlangt. Die Schule führt bis zum Abitur und bietet berufspraktischen Unterricht auch für Erwachsene an.

Richard von Weizsäcker unterstützte die Arbeit von Herrn Weber und gab die Zustimmung, dieses Projekt auch als Namensgeber zu fördern.

In Sao Paulo, Brasilien, unterhält der Verein eine Anlauf- und Beratungsstelle für Straßenkinder sowie eine Wohngruppe.

Der Verein finanziert sich durch Spenden und durch den Verkauf von illustrierten Büchern mit Texten von Frank Weber, Kalender und Karten, die in der Künstlerwerkstatt in Cochabamba hergestellt werden. Frank Weber besucht regelmäßig Deutschland, um mit gesellschaftspolitischen Theaterstücken für sein Anliegen zu werben.

Er erhält keine staatlichen oder kirchlichen Zuschüsse.


Frank Weber - BRIEF AUS COCHABAMBA, Dezember 2020

Lieber Freundeskreis,
das jetzt zu Ende gehende Jahr 2020 wird uns sehr lange in Erinnerung bleiben. Hat es uns doch überall auf dem Planeten viel zugemutet und abverlangt. Corona ist derzeit unser ständiger Begleiter und bremst ganze Gesellschaften aus. Das hinterlässt Spuren. Auch unsere Schule musste sich den neuen Herausforderungen stellen. Natürlich war der gewohnte Schulalltag nicht möglich und es erforderte konsequent neue Wege des Lehrens und des Lernens. Dies ist uns weitgehend gut gelungen. Politisch keimte zunächst Hoffnung auf. Nach einem schamlosen Wahlbetrug erhob sich das Volk im November 2019 gegen die Regierung, die sich 14 Jahre lang hemmungs-los über alle Gesetze, Ethik und Moral hinweg gesetzt hatte - zum Nachteil des Landes und der Bevölkerung. Eine Übergangsregierung organisierte eine neue Wahl. Die sozialistische Morales Partei mit ihrer absoluten Kontrolle über alle staatlichen Institutionen konnte den „Sieg“ entgegen aller Prognosen für sich verbuchen. Nun sind sie wieder an der Macht. Sehr kritisch hingegen wurde unsere finanzielle Situation, die zuweilen die berechtigte Sorge um den Fortbestand unserer Schule aufkommen ließ. Diesen Rundbrief schließe ich daher mit einer sehr persönlichen Betrachtung. Ich wünsche Gesundheit und gute weihnachtliche Tage!
Ihr und Euer Frank Weber

Bildung in Zeiten der Pandemie - Richard-Weizsäcker-Schule
Wenige Tage nach dem Auftreten der ersten Corona-Fälle in Bolivien wurden von der Übergangsregierung die ersten Gegenmaßnahmen gestartet. Dazu gehörte neben den strengen Ausgangsbeschränkungen, die dann Monate andauern sollten, auch die Einstellung des Präsenzunterrichts an den Schulen. Bereits am 12. März - in der Woche bevor in Deutschland die einzelnen Bundesländer ihre Schultüren schlossen - wurde der Unterricht im Klassenraum eingestellt. Wenn auch an unserer Schule seit Jahren ein Prozess der Digitalisierung des Unterrichts mit Engagement entwickelt wird, so ist Beschulung ausschließlich über das virtuelle Klassenzimmer doch sehr herausfordernd. Das gilt gleichermaßen für Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie für Lehrkräfte und Schulleitung. Der Unterricht im Klassenzimmer kann nicht 1:1 in virtuellen Unterricht übertragen werden. Das fängt damit an, dass nicht jeder ordentliches Internet zuhause hat oder dass es in den Familien an Endgeräten fehlt, besonders bei Familien mit mehreren schulpflichtigen Kindern. Es geht weiter mit dem Problem, dass die Lehrkräfte spezifische fachliche Inhalte methodisch-didaktisch verändert vorbereiten müssen. Eltern werden von einem Tag zum anderen zu Hilfslehrkräften, besonders in den unteren Klassen der Primarstufe. Nicht zu vergessen, dass viele unserer Familien nur sehr beengten Wohnraum zu Verfügung haben, also keine Kinderzimmer, oft nicht einmal ein Wohnzimmer. Vielmehr teilen sich alle zusammen ein oder zwei Schlafzimmer, Küche und Essbereich bilden den Gemeinschaftsraum Familie. Das ist schon unter gewöhnlichen Umständen sehr anstrengend, aber in Zeiten von Quarantäne und Ausgangssperren wird der knappe Wohnraum für viele Familien wirklich problematisch. Da ist kein Platz für Privates, es gibt kein Spielen im Freien, kein Treffen mit Freunden und Bekannten. Auf engstem Raum 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche über Monate hinweg zu leben, das geht an die Substanz der Familien. Fällt doch gleichzeitig bei den meisten auch noch das Einkommen weg, weil über Monate hinweg corona-bedingt arbeiten nicht möglich war bzw. bis heute nur eingeschränkt möglich ist. Natürlich trifft dies nicht nur Bolivien. Corona macht weltweit den Nationen und den Gesellschaften zu schaffen. Und doch gibt es wesentliche Unterschiede, bedingt durch die jeweilige wirtschaftliche und politische Situation der Länder. Davon hängt es ab, welche Hilfe die Menschen erreicht bzw. ob überhaupt Hilfe geleistet wird. Das Land Bolivien ist geprägt von der Verschwendung, die in den 14 Jahren der Regierung von Evo Morales betrieben wurde, zum Wohle der Parteigrößen, allen voran des obersten kleinen Zirkels. Die Corona-Krise offenbart nun grausam, dass Bolivien weder über ein funktionierendes Gesundheitssystem noch über ein Bildungssystem verfügt, das diesen Namen verdient hat. Ich verzichte an dieser Stelle auf eine Schilderung der entsetzlichen Szenen, die sich in Häusern, auf den Straßen und Plätzen abspielten.

Unser Einsatz für die Schulfamilie - Richard-Weizsäcker-Schule
In Zeiten wie diesen zahlt es sich aus, dass wir während der letzten Jahre in die Digitalisierung des Klassenzimmers investiert haben. Dabei ging es nicht nur um die Ausstattung als solche, sondern vielmehr um didaktische Konzepte für den vielfältigen Einsatz der Geräte sowie die Förderung eines selbstverständlichen Umgangs mit Computern und Tablets im Schulalltag seitens der Lehrkräfte sowie der Schülerinnen und Schüler. Seit einigen Jahren bieten wir Seminare für unsere Lehrkräfte an, Kurse in der Primar- und Sekundarstufe und stellen für den Gebrauch im Unterricht die Geräte zur Verfügung. Die Digitalisierung ist Bestandteil unseres täglichen Lebens und deshalb auch in der schulischen Bildung. So sind z.B. Tablets großartige Werkzeuge für Bildung mit ihren Möglichkeiten von Recherche bis hin zu Präsentation, von der Idee bis zum fertigen Projekt. Klar, wir kommen bei der Ausstattung mit Endgeräten finanziell immer wieder an unsere Grenzen. Aber da wir gelegentlich - je nach unseren Möglichkeiten - das ein oder andere Gerät ergänzt haben, steht uns heute eine Basisausstattung zur Verfügung. Kluges Management hilft uns, dass die Geräte, trotz der vergleichsweise geringen Stückzahl, vielseitig über die verschiedenen Klassen hinweg eingesetzt werden können. So gelang uns also ziemlich gut die Umstellung vom analogen Klassenraum in der Schule zur digitalen Schulbank zu Hause. Ich schreibe „ziemlich gut“, weil mir bewusst ist, dass das Lernen über Kamera an Tablet, Handy oder Computer natürlich nicht die gleiche Effizienz bieten kann wie der persönliche Unterricht im Klassenzimmer. Das Miteinander mit den Schüler-innen und Schülern in der Klasse, das im Pausenhof mit Freundinnen und Freunden sowie die spontane Frage an die Lehrkraft zwischen Tür und Angel nach dem Unterricht, sind unersetzlich. Das soziale Miteinander, der Diskurs in der Klasse, das Reagieren auf Mimik und Gestik beim Gegenüber, das Treffen auf Menschen gleichen Alters - all das ist nicht ersetzbar. Aber in Zeiten der Pandemie bietet die digitale Welt letztlich unverzichtbare Hilfe, damit Unterricht überhaupt stattfinden kann. Und virtueller Unterricht ist natürlich mehr als nur das Hin- und Herschicken von Arbeitsblättern. Der digitale Raum wird außerhalb der Schulen längst genutzt und macht praktisch vor keinem Lebensbereich halt. Es wurde Zeit, dass das Potenzial der Digitalisierung nun endlich auch für das Lehren und das Lernen erkannt wird. In Bolivien ist das Schuljahr identisch mit dem Kalenderjahr. Das Schuljahr beginnt am ersten Montag des Februars und endet gewöhnlich am letzten Freitag im November. In diesem Jahr wurde der Präsenzunterricht wegen Corona nach nur etwa fünf Wochen eingestellt und seither waren die Schülerinnen und Schüler nicht mehr an der Schule. Eigentlich ein unvorstellbarer Zustand. Seit August wurde der Betrieb in zahlreichen Schulen eingestellt, wir hingegen haben weiterhin unterrichtet und hielten uns auch im virtuellen Unterricht an unseren Stundenplan, inklusive der Pausen. So garantierten wir weiterhin den so wichtigen gewohnten Tagesablauf, der geprägt ist von Unterricht, Pausen, Schulschluss, Freizeit und Zeit für die Hausaufgaben sowie Vorbereitungen auf die Klausuren. Dafür erhielten wir viel Lob, weit über unsere Schulfamilie hinaus.

Das Persönliche zum Schluss
Das Jahr 2020 sollte eigentlich ein ganz besonderes Jahr werden. Ein Jubiläumsjahr. Mit meinem runden Geburtstag im Januar sollten die Feierlichkeiten beginnen und über das Jahr gestreut vielerorts zahlreiche Veranstaltungen auf die Bühne gebracht werden. Es sollte daran erinnert werden, dass es genau 35 Jahre her ist, seit ich eine alte Hausruine am Stadtrand Cochabambas erwarb, um Heranwachsenden ohne Bleibe ein neues Zuhause zu geben. Keiner konnte damals erahnen, dass daraus ein Sozialwerk dieser Größenordnung entstehen würde. Heute ist das Kernstück meiner Arbeit die Richard-von-Weizsäcker-Schule. Soziale Gerechtigkeit wird es ohne Schulausbildung niemals geben. Davon bin ich mehr denn je überzeugt. Bildung bedeutet weit mehr als das Erlernen von Lesen und Schreiben. Bildung ist auch mehr als das Verstehen von Algorithmen, die die Befehle für alle digitalen Prozesse geben. Denn auch wir Menschen lassen uns nicht auf das Ergebnis von Algorithmen reduzieren, die unser Verhalten berechnen, auswerten und schließlich beeinflussen möchten. Es geht in der Bildung weit über die Vermittlung von Wissen hinaus. Bildung bedeutet auch die Ausbildung von sozialer Kompetenz, Empathie, und Solidarität. Bevor Kinder faktisches Wissen über die Welt gezielt lernen, haben sie durch die Gesten, Blicke und die gesamte Körpersprache der Erwachsenen diese Welt und die Menschen in ihren Beziehungen zueinander schon längst erfahren. So werden wir alle mit unserem Verhalten zum Orientierungspunkt für unsere
Kinder. Wir „bilden“ mit unserem Verhalten die Einstellungen und Bewertungen der Kinder aus, auch gegenüber Migranten, Geflüchteten, Behinderten, Alten oder Minderheiten überhaupt. Unser sozialer Zusammenhalt hängt von diesen Haltungen ebenso ab wie vom allgemeinen Wissensstand. Mir wurde dieses Anliegen zur Lebensaufgabe. Mit dem Jahr 2020 kam Corona. Es ist mein erstes Jahr ohne Einkommen. Ich stehe sonst auf Bühnen, halte Lesungen und Vorträge, brauche das Publikum. Dann alle Termine gestrichen. Von einem Tag auf den anderen. Im Mai zeichnete sich ab, dass ich die Schule wahrscheinlich nicht über das laufende Schul-jahr hinaus würde retten können. Die hohen Ausgaben drohten in den folgenden Wochen alle Rücklagen auffressen. Ich informierte die Elternvertreter und sagte ihnen deutlich, dass unsere Schule diese Krise womöglich nicht überleben werde. Aber ich versprach, alles zu tun, um die Schule zu halten. Die Eltern ihrerseits begannen mit der Sammlung von Geld. Sie halfen untereinander mit Lebensmitteln aus, um das so eingesparte Geld bei unserer Elternvertreterin abgeben zu können. Das überzeugende Argument: „Frank braucht keine Tomaten und Zwiebeln, sondern Geld. Geld für die Sicherung der Schule unserer Kinder“. So kam eine stattliche Summe zusammen. Dieses Geld rettet zwar noch nicht die Schule, aber es unterstreicht einmal mehr die besondere Bedeutung unserer Schule für hunderte Familien. Und es bestätigt meine Überzeugung: Solidarität ist die einzig solide Basis für den sozialen Zusammenhalt. Ich werde nun in das Jahr 2021 gehen, mit der Schule – bei vollem Risiko. In der Hoffnung, auch weiterhin nicht alleine zu sein.